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Der ADAC

Tempolimit auf Autobahnen

Tempo 130 Markierung auf dem Boden
Tempolimit 130: In Deutschland umstritten ∙ © Shutterstock/igorstevanovic

Die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen wird immer wieder kontrovers diskutiert. Die öffentliche Meinung ist bei diesem Thema gespalten. Ein Blick auf die Fakten.

  • 50 Prozent der ADAC Mitglieder lehnen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen ab, 45 Prozent sind dafür

  • Autobahnen sind die mit Abstand sichersten Straßen in Deutschland

  • Die meisten Menschen kommen auf Landstraßen ums Leben

Die Diskussion um ein generelles Tempolimit auf Autobahnen wird emotional geführt. Auch unter den Mitgliedern des ADAC gehen die Meinungen weit auseinander. 

Was sagen die ADAC Mitglieder zum Tempolimit?

Der ADAC befragt regelmäßig seine Mitglieder zu deren Einstellung zu verkehrspolitischen Themen. Seit Jahren lehnen sie ein generelles Tempolimit auf Autobahnen mehrheitlich ab, die Zahl der Befürworter einer Geschwindigkeitsbegrenzung hat aber in der letzten Zeit zugenommen. In der Umfrage von 2019 votierten 50 Prozent gegen ein Tempolimit, 45 Prozent dafür. Angesichts der polarisierenden Wirkung des Themas – auch unter den Club-Mitgliedern – verzichtet der ADAC derzeit auf eine Empfehlung Pro oder Contra generelles Tempolimit an die Politik. Stattdessen plädiert der Club für eine Versachlichung der Debatte um das Tempolimit. Um die Diskussion so sachlich wie möglich zu führen: Hier ein Blick auf die Fakten. 

Führt ein Tempolimit zu weniger Unfällen?

Autobahnen sind die sichersten Straßen in Deutschland. Dort werden pro Jahr etwa ein Drittel aller Kraftfahrzeugkilometer gefahren. Der Anteil der Verkehrstoten aber ist im Vergleich dazu mit rund 13 Prozent unterdurchschnittlich: Pro 1 Milliarde Fahrzeugkilometer sterben dort derzeit 1,7 Menschen. Ein Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen ist im internationalen Vergleich nicht feststellbar: Länder mit Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen wie Belgien, Frankreich oder die USA schneiden nicht besser ab als Deutschland.

Auf Strecken, bei denen es zu überdurchschnittlich vielen oder schweren Unfällen kommt, kann ein Tempolimit oder eine situationsgerechte Geschwindigkeitsregelung sinnvoll sein. Wechselverkehrszeichen an Schilderbrücken ermöglichen es, die Geschwindigkeit flexibel an Verkehrsaufkommen und Witterungsbedingungen anzupassen. Außerdem warnen sie vor Staus und Unfällen.

ADAC-Vizepräsident für Verkehr Gerhard Hillebrand: "Wichtig ist es, Grenzen und Möglichkeiten eines Tempolimits für die Verkehrssicherheit und den Klimaschutz genau zu untersuchen. Insbesondere hinsichtlich der Wirkungen auf die Verkehrssicherheit liegen die heutigen Schätzungen noch weit auseinander. Deshalb ist es sinnvoll, eine wissenschaftliche Untersuchung unter Nutzung von Pilotstrecken einschließlich der Prüfung zeitlicher Differenzierungen anzustoßen."

Grenzen und Möglichkeiten eines Tempolimits für Verkehrssicherheit und Klimaschutz müssen genau untersucht werden.

Auch beim innerdeutschen Vergleich lassen sich auf Abschnitten ohne Tempolimit nicht mehr Unfälle als auf Strecken mit Tempolimits von 120 oder 130 km/h feststellen. Eine höhere Unfallschwere (Getötete je 1000 Unfälle mit Personenschaden) lässt sich nicht feststellen. Die eigentliche Schwachstelle in Sachen Verkehrssicherheit sind die Landstraßen, wo knapp 60 Prozent aller Verkehrstoten registriert werden – obwohl dort nur 40 Prozent der Kfz-Fahrleistungen zusammenkommen.

Hat ein Tempolimit Auswirkungen auf den Verkehrsfluss?

Derzeit sind rund 30 Prozent des deutschen Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise geschwindigkeitsbeschränkt, hinzu kommen Baustellenbereiche. Die Fahrgeschwindigkeit auf knapp zehn Prozent des Autobahnnetzes kann mittels Streckenbeeinflussungsanlagen begrenzt werden. Sie ermöglichen eine flexible, situationsgerechte Geschwindigkeitsregelung in Abhängigkeit vom jeweiligen Verkehrsaufkommen und den Witterungsbedingungen.

Trägt ein Tempolimit zum Klimaschutz bei?

Ja. Im Handbuch für Emissionsfaktoren (HBEFA) stellt das Umweltbundesamt dar, wie sich unterschiedliche Antriebsarten und Verkehrssituationen auf die Schadstoff-Emissionen auswirken. Legt man diese Daten zugrunde, ergibt sich bei einem Tempolimit von 130 km/h für die Pkw-Flotte des Jahres 2019 ein CO₂-Einsparpotenzial in der Größenordnung von bis zu 2 Millionen Tonnen pro Jahr. Das sind knapp zwei Prozent der CO₂-Emissionen des Pkw-Verkehrs.

Gibt es in Ländern mit Tempolimit mehr Autos mit kleinen Motoren?

Nein. Die Annahme, dass ein generelles Tempolimit auf Autobahnen den Kauf von Autos mit kleineren Motoren (Downsizing) und damit weniger Spritverbrauch bewirkt, bestätigt sich beim Vergleich der Motorisierung der Fahrzeugflotten in Österreich (Tempolimit 130 km/h) und der Schweiz (Tempolimit 120 km/h) mit Deutschland nicht. Im Gegenteil: In der Schweiz ist der Anteil an leistungsstarken Fahrzeugen höher, in Österreich geringfügig niedriger als in Deutschland.