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CES Las Vegas 2020: Völlig abgefahren in die Zukunft

Mercedes Vision AVTR fahrend in Las Vegas CES 2020
Der Mercedes Vision AVTR erinnert eher an ein Raumschiff als an ein Auto ∙ © Mercedes

Auf der größten Elektronikmesse der Welt, der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, zeigen über 4500 Aussteller technische Innovationen und Zukunftstrends. Darunter auch viele aus der Autobranche. Hier sind die interessantesten Ideen.

  • Highlights: autonomes Fahren, vernetztes Auto und Infotainment

  • Der Elektronikriese Sony überrascht mit einem eigenen Elektroauto

Elektronik bestimmt zunehmend unser Leben. Und damit sind nicht nur Handyhüllen mit Solarpanels, intelligente Toaster, Roboter aller Art und superscharfe 8K-Fernseher gemeint, die auf der CES in Las Vegas selbstredend zu sehen sind.

Auch die Autoindustrie zeigt in der Wüstenstadt neben Elektronikkonzernen wie LG, Sony und Samsung den rund 175.000 Besuchen ihre Visionen. Ihre Themen: Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Augmented Reality, Robotik und Cybersicherheit, Vernetzung sowie autonomes Fahren.

BMW i3 Urban Suites: Elektroauto mit Lounge-Sessel

Mit einem umgebauten i3 namens "Urban Suite" zeigt BMW, wie der Innenraum eines selbstfahrenden Autos aussehen könnte: loungeartig bequem, mit ausreichend Platz und vielen Möglichkeiten zur Entspannung. Der Beifahrer sitzt quasi im Fond, kann dadurch seine Füße weit nach vorn ausstrecken und lümmelt bequem in einem üppigen Clubsessel mit integrierten Armlehnen und Kopfstütze. Daneben stehen ein Holztisch und eine kleine Schreibtischlampe. Über ein ausfahrbares Display im Dachhimmel kann der Passagier den Audio-Klang in einer "persönlichen Soundzone" genießen.

Bosch: Digitale Sonnenblende

Bosch zeigt auf der CES eine intelligente Sonnenblende. Die besteht aus einem transparenten LCD-Display und verdunkelt nur die Bereiche, über die der Fahrer geblendet wird. Trotz heruntergeklappter Blende herrscht somit freie Sicht nach draußen – ein Sicherheits-Plus. Eine Innenraumkamera scannt dabei permanent das Gesicht und erkennt, wohin der Fahrer blickt und ob er von der Sonne geblendet wird.

Continental: Musik ohne Lautsprecher

Für den Innenraum hat Continental gemeinsam mit Sennheiser ein Soundsystem ohne Lautsprecher entwickelt. Stattdessen werden vorhandene Oberflächen in Schwingung versetzt und so Töne erzeugt. Konventionelle Boxen braucht es nicht mehr.
Bei leichten Beschädigungen am Fahrzeug und Kratzern hilft das Sensorsystem "Contact Sensor System" (CoSSy). Es erkennt per Schallmessung, ob das Fahrzeug ein anderes Auto, Personen oder Objekte berührt – bei Parkremplern kann sich so keiner mehr herausreden.

Chrysler Airflow Vision Concept: Reise in die Zukunft

Fiat-Chrysler (FCA) präsentiert den “Airflow Vision Concept”. Der Name geht auf ein 1934 vorgestelltes stromlinienförmiges Auto zurück. Das jetzige Modell soll das Reiseauto der Zukunft darstellen. Der Innenraum von morgen ist mit Displays gespickt und Informationen lassen sich per Wischbewegung von einem Monitor zum anderen übertragen. In einem Serienmodell wird es diesen Innenraum wohl so schnell nicht geben.
Von heute sind dagegen die neuen Plug-in-Hybrid-Versionen der Modelle Jeep Wrangler, Renegade und Compass, die bald auf den Markt kommen und ebenfalls in Las Vegas zu sehen sind.

Fisker Ocean: Elektroauto mit 480 km Reichweite

Henrik Fisker stellt mit dem Ocean ein neues Elektro-SUV vor. Das 4,64 Meter lange Fahrzeug soll mit einer Ladung des 80 kWh großen Lithium-Ionen-Akkus bis zu 480 Kilometer weit fahren können und 2021 auf den Markt kommen. Ein mit Solarmodulen bestücktes Dach liefert zusätzliche Energie. Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse sorgen für Allradantrieb. Der Fisker Ocean soll mit einem vergleichsweise günstigen Preis von 37.500 Dollar antreten – und so zum harten Konkurrenten für das Tesla Model Y werden. Zunächst wird der Fisker Ocean nur in den USA angeboten.

Honda Augmented Driving Concept: Offen und autonom

Mit einem als Cabrio gestaltetem Konzeptfahrzeug zeigt Honda nicht nur, dass autonome Autos recht pfiffig aussehen können. Die Japaner haben sich auch überlegt, wie harmonisch und übergangslos das Zusammenspiel zwischen Computer und Mensch funktionieren kann. Erkennt der Computer beispielsweise, dass der Fahrer aus dem Seitenfenster schaut und die Landschaft betrachtet, übernimmt er das Steuer. Will der Fahrer aber selbst über kurvige Landstraßen lenken, klinkt sich der Computer automatisch wieder aus. Acht verschiedene Fahrmodi stehen zur Verfügung. Zum Starten benötigt der Fahrer keinen Schlüssel mehr – er muss nur zweimal aufs Lenkrad klopfen.

Hyundai PAV S-A1: Autofahrer als Pilot

Hyundai sieht seine Zukunft nicht auf der Straße, sondern in der Luft. Mit dem Lufttaxi Personal Air Vehicle (PAV) S-A1 zeigen die Koreaner ihre Idee zur "Stauumfahrung". Die Rotoren des S-A1 werden von einem Elektromotor angetrieben, so dass das Flugtaxi elektrisch vertikal starten und landen kann. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 290 km/h, die Flughöhe zwischen 300 und 600 Metern. Bis zu fünf Passagiere können mit einer Akkuladung bis zu 100 Kilometer durch die Luft transportiert werden. Anfangs von einem Piloten, geplant ist aber langfristig ein autonomer Betrieb.

Mercedes Vision AVTR: Futuristisch und nachhaltig

Mercedes gibt mit seinem Konzeptfahrzeug Vision AVTR einen Ausblick auf die nachhaltige Mobilität der Zukunft. Die Studie verbindet Mensch, Maschine und Natur und lehnt sich an den Film Avatar von James Cameron an.
Das Design erinnert mit vielen fließenden Formen an die Formensprache der Natur. 33 bewegliche Klappen auf dem Fahrzeugrücken sowie rund 20.000 LEDs an Karosserie und Reifen sorgen für die Kommunikation mit der Umgebung. Statt eines Lenkrads kommt ein multifunktionales Bedienelement in der Mittelkonsole zum Einsatz und die Menüs zur Bedienung des Fahrzeugs werden auf die Handfläche des Passagiers projiziert.
Als Antriebsquelle kommt eine mit graphenbasierter organischer Zellchemie entwickelte Batterie zum Einsatz – frei von seltenen Erden und Metallen und nach Lebensende voll kompostierbar.

Rinspeed Metrosnap: Heute Paketbox, morgen Bus

Vordenker Frank Rinderknecht zeigt den “Rinspeed Metrosnap”, ein Fahrzeug als modulares Mobilitätssystem. Dadurch sollen sich unterschiedliche Aufbauten schnell, einfach und günstig wechseln lassen. Fahrwerk und Aufbauten gehen eigene Wege. Die Plattform fährt elektrisch und autonom, die Aufbauten können ohne sie abgestellt und genutzt werden, als mobile Packstation für die Post beispielsweise, als Kiosk oder Waren- und Personen-Transporter. Skalierbare Batteriepakete sitzen in den Aufbauten und können jederzeit geladen werden.

Sony Vision S: Schaufenster der Technik

Der 4,89 Meter lange Vision S von Sony ist die größte Überraschung auf der Messe. Es ist das erste Mal, dass der Elektronik-Konzern ein Konzeptauto gebaut hat. Nicht allein, sondern mit Partnern wie Magna-Steyr, Bosch, Continental und ZF. Unter der Haube der coupéhaften Limousine arbeiten zwei 200-kW-Motoren, die das Auto in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen sollen. Spitze: 240 km/h.
Dass das Konzeptfahrzeug jemals in Serie kommt, ist unwahrschweinlich. Der Vision S soll vielmehr die Fortschritte Sonys in der Kamera- und Sensortechnik zeigen. 33 Sensoren sitzen an der Außenseite der Limousine, im Innenraum gibt es zahlreiche Displays sowie 360-Grad-Raumklang.

Text: Fabian Hoberg